Der legale Besitz von Schusswaffen in Österreich ist eng mit einer Reihe von Sicherheitsanforderungen verknüpft. Diese rechtlichen Vorgaben betreffen das Abfeuern einer Waffe ebenso wie deren Aufbewahrung. Was es bei der Auswahl eines Waffenschrankes zu beachten gilt, geht aus dem folgenden Ratgeber hervor.
Allgemeine Anforderungen des österreichischen Waffengesetzes
Das österreichische Waffengesetz (WaffG) beinhaltet unter anderem im Paragraf 16b klare Vorgaben für die Lagerung und Aufbewahrung von legal erworbenen Schusswaffen. Diese Richtlinien gelten für alle Personen, die sich im Besitz einer Waffenbesitzkarte (WBK) oder eines Waffenpasses befinden. Vier der wichtigsten Anforderungen zur Erhöhung der Sicherheit der Bevölkerung sehen wie folgt aus:
1. Ein- und aufbruchsichere Aufbewahrung
Die Basis für die Aufbewahrung von Schusswaffen
in einem sicheren Waffenschrank in österreichischen Haushalten ist die
Verpflichtung zur ein- und aufbruchsicheren Aufbewahrung. Diese Anforderungen erstrecken sich sowohl auf den jeweiligen Raum als auch auf den verwendeten Waffenschrank.
Räumlichkeiten:
Der Raum sollte den gesetzlichen Vorgaben entsprechend abschließbar sein. Zudem empfiehlt es sich, einen Standort auszuwählen, der ein geringeres Einbruchsrisiko aufweist. Höhere Risiken bestehen in Flurbereichen sowie in Garagen oder Kellerräumen von Mehrfamilienhäusern.
Waffenschrank:
Der
Waffenschrank muss ebenfalls ein Schloss aufweisen. Zudem sind Materialien erforderlich, die es Einbrechern massiv erschweren, einfach den kompletten Waffenschrank zu entwenden. Vergleichbar mit einem Tresor werden Waffenschränke bevorzugt aus Stahl hergestellt, um über das erhöhte Gewicht ebenfalls die Sicherheit des Inhalts zu erhöhen.
Durchgängige Aufbewahrung:
Die durchgängige Aufbewahrung betrifft die Verpflichtung, die Waffen und deren Munition außerhalb regulärer Verwendungszwecke ohne Ausnahme in geschützten Sicherheitsbehältern zu lagern.
2. Lagerung der Munition
Im Vergleich zu den gesetzlichen Regelungen in Nachbarländern wie Deutschland, sind Waffenbesitzer in Österreich nicht dazu verpflichtet, Schusswaffen und Munition getrennt voneinander aufzubewahren. Von Vorteil ist die getrennte Aufbewahrung dagegen bei einer größeren Waffensammlung. Ein separater Munitionsschrank oder eine Schublade vereinfachen die Übersichtlichkeit. Bei diesem Vorgehen bleiben die Anforderungen bestehen, sodass ebenfalls der Aufbewahrungsort der getrennt gelagerten Munition sowohl ein- als auch aufbruchsicher sein sollte.
3. Schutz vor unberechtigtem Zugriff
Der Gesetzgeber in Österreich stellt strenge Anforderungen an den Schutz vor unberechtigten Zugriffen. Waffenbesitzer sind dazu verpflichtet, ständig dafür Sorge zu tragen, alle Mindestanforderungen an die Sicherheitsstandards einzuhalten.
Zum Personenkreis, der keinen Zugriff auf die im Haushalt befindlichen Waffen erhalten darf, gehören:
– Kinder
– Mitbewohner (unabhängig davon, ob es sich um eine Partnerschaft oder WG handelt)
– Verwandte
– Besucher
– Handwerker
– Einbrecher
4. Überprüfungen innerhalb der Verlässlichkeitsprüfung
Mit dem Erhalt einer Waffenbesitzkarte verpflichten sich die Eigentümer von Schusswaffen, speziell der Kategorie B (halb automatische Schusswaffen, Faustfeuerwaffen), zur Mitwirkung an häufig unangekündigten Kontrollbesuchen. Im Rahmen der alle fünf Jahre stattfindenden Verlässlichkeitsprüfung überprüfen die zuständigen Behörden die Einhaltung der ein- und aufbruchsicheren Lagerung der Waffen sowie der vorhandenen Munition. Ist die sichere Verwahrung nicht gewährleistet, droht ein Entzug der Waffenbesitzkarte sowie der Schusswaffen.
Die Hauptmerkmale für die Auswahl eines Waffenschrankes
Weder die Optik noch die Maße gehören zu den wichtigsten Auswahlkriterien für einen Waffenschrank. Für Waffenbesitzer in Österreich steht auch hierbei die sichere Verwahrung der Schusswaffen an oberster Stelle. Das erste Augenmerk gilt aus diesem Grund der Waffenschrankklasse der Sicherheitsschränke. Die Mindeststandards beginnen bei:
Waffenschrank Klasse 0 (EN-1143-1)
In Waffenschränken der Klasse 0 ist es erlaubt, eine unbegrenzte Anzahl an Langwaffen und Munition zu lagern. Für Kurzwaffen liegt die erlaubte Anzahl bei 5, wenn das Gewicht des Waffenschrankes 200 kg nicht übersteigt. Ab 200 kg erhöht sich die Anzahl der Kurzwaffen auf 10.
Waffenschrank Klasse 1 (EN-1143-1)
Ein Waffenschrank der Klasse 1 erlaubt die Lagerung einer unbegrenzten Anzahl von Langwaffen, Kurzwaffen und Munition. Die in der Klasse 0 vorhandenen Einschränkungen für Kurzwaffen spielen mit der Wahl für einen Waffenschrank der Sicherheitsklasse 1 keine Rolle mehr.
Weitere Auswahlkriterien für Waffenschränke
Um die Sicherheitsanforderungen zu gewährleisten,
gehören die Waffenschrankklassen nicht zu den einzigen Auswahlkriterien, die es zu beachten gilt. Im folgenden Abschnitt werden drei weitere wichtige Faktoren im Detail beleuchtet.
1. Auswahl des Schlosses
Die sichere Aufbewahrung von Waffen setzt einen abschließbaren Verwahrungsort voraus. Diese Voraussetzungen gelten für den Raum, wie auch für den Waffenschrank. Derzeit haben die Käufer die Auswahl zwischen mehreren Varianten zum Verschließen der Waffentresore. Die beliebtesten Optionen bestehen aus:
Schlüssel
Waffenschränke, deren Schloss per Schlüssel geöffnet werden kann, gehören zu den langjährigen Klassikern. Die Vorteile zeichnen sich aus durch geringere Kosten, das unkomplizierte Öffnen und Schließen mit nur einem Handgriff sowie das nicht vorhandene Risiko von elektronischen Ausfällen.
Jedoch stehen diesen Vorteilen ebenfalls Risiken gegenüber. Für die Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften darf der Waffenschrankschlüssel für Unbefugte nicht erreichbar sein. Zusatzkosten entstehen in diesem Zusammenhang unter anderem für den Kauf einer abschließbaren Schublade oder eines kleinen Tresors für die gesetzlich geforderte Lagerung der Schlüssel.
Zahlenschlösser
Eine zweite Option besteht im Kauf eines Sicherheitsschranks mit Zahlenschloss. In dieser Variante öffnet sich die Tür ausschließlich nach der Eingabe der richtigen Zahlenkombination. Der Vorteil liegt darin, keinen physischen Schlüssel zu benötigen und sich lediglich den passenden Zahlencode zu merken.
Hier zeigt sich zeitgleich einer der möglichen Nachteile dieser Option. Menschen, die Probleme haben, sich mehrstellige Zahlen dauerhaft zu merken, greifen häufig zu handschriftlichen Erinnerungshilfen. Diese Merkzettel in der Nähe der Waffenschränke zu platzieren, kann in den Augen des Gesetzes ebenfalls als grobe Fahrlässigkeit für die sichere Verwahrung von Waffen gelten. Die Erinnerungshilfen sind insofern mit ebenso großer Vorsicht zu behandeln wie ein Schlüssel zum Öffnen der Türen.
Elektronische Schlösser
Eine dritte Auswahlmöglichkeit bieten elektronische Schlösser. Diese Option bietet zudem gleich mehrere Varianten zum Öffnen der Schlösser. Die elektronischen Displays geben den Inhalt des Waffenschrankes unter anderem durch die Eingabe eines PIN-Codes oder das Erkennen eines Fingerabdruckscans frei. Die Bedienung ist zudem zum Großteil als intuitiv zu bewerten und nimmt zum Erlernen der richtigen Handgriffe nur wenig Zeit in Anspruch.
Nachteilig wirken sich bei dieser Option zunächst die höheren Kosten aus. Die Kombination mit umfangreicher Technik zeigt sich ebenfalls im Vergleich der Kaufpreise für Modelle mit elektronischen Schlössern. Nicht zu vergessen sind ebenfalls Ausfälle des Displays aufgrund von fehlender Stromzufuhr. Die regelmäßige Kontrolle der Energiequelle bringt insofern ebenfalls einen erhöhten Zeitaufwand mit sich.
2. Verankerung am Aufstellort
Die Verankerung eines Waffenschrankes wird bei Modellen mit einem geringeren Gesamtgewicht empfohlen, um das Anheben und den Abtransport des gesamten Sicherheitsschranks im Rahmen eines Diebstahls zu verhindern. Die Empfehlung betrifft alle Waffenschränke unterhalb eines Gewichts von 1.000 kg (ohne Inhalt). Ausnahmen bestehen bei Produkten, die als mobil gelten und über keinen festen Standort verfügen. Weitere Ausnahmen bestehen für Waffenschränke mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Die zusätzlich vorhandenen Maßnahmen stellen eine gleichwertige Hürde zum unbefugten Öffnen der Waffentresore dar.
3. Maximale Versicherungssummen
Waffen dienen nicht nur der Ausübung eines Hobbys oder der Erhöhung der Sicherheit. Als Gegenstände sind Waffen ebenfalls mit einem materiellen Wert verknüpft. Während des Auswahlprozesses eines neuen Waffenschrankes ist es ratsam, den Gesamtwert aller aktuellen sowie einen Schätzwert zukünftiger Waffen in die Kaufentscheidung einzubeziehen. Der Grund dafür zeigt sich anhand der maximalen Versicherungssummen, die Versicherungsgesellschaften mit den einzelnen Sicherheitsklassen von Waffentresoren verknüpfen.
Die aktuellen Höchstsummen liegen bei:
- Klasse 0: 40.000 Euro (Privathaushalt)
- Klasse 1: 60.000 Euro (Privathaushalt)
- Klasse 2: 100.000 Euro (Privathaushalt)
- Klasse 3: 200.000 Euro (Privathaushalt)
- Klasse 4: 400.000 Euro (Privathaushalt)